Finanzielle Freiheit – Was ist dran und wie geht es?

Finanzielle Freiheit

Finanziell unabhängig… also bist du ein Millionär? Diese Frage wurde mir einmal gestellt, nachdem ich erzählt habe, dass ich ein passives Einkommen anstrebe, sodass ich nicht mehr arbeiten muss, sondern arbeiten gehe, weil ich will. Die Unterscheidung anhand dieser beiden Wörter hat einen immensen Einfluss auf mein persönliches Wohlbefinden. Etwas tun zu müssen liegt auf meiner Unbehaglichkeitsskala nur etwas hinter „Nötigung“.

In diesem Artikel möchte ich daher auf die Idee und das Konzept der finanziellen Freiheit eingehen. Das spannende daran ist, dass man mitnichten ein Millionär sein muss. Auch als Durchschnittsverdiener lässt sich das Ziel erreichen.

Definition: Finanzielle Freiheit bedeutet, dass man durch ein Einkommen, das nicht durch eigene Arbeit erwirtschaftet wird, leben kann. Der Verzehr von Ersparnissen fällt ebenfalls darunter.

Die Definition enthält drei wesentliche Aspekte:

  1. Arbeit (im klassischen Sinne) ist nicht erforderlich.
  2. Ein sog. passives Einkommen sichert den Lebensstandard.
  3. Von dem Einkommen kann man leben. Das heißt nicht, dass man in Saus und Braus leben kann!
  4. Ersparnisse können, müssen aber nicht aufgebraucht werden.

Das hört sich zu schön an, um wahr zu sein, oder nicht?

Finanzielle Freiheit – Der Kerngedanke

Die Definition beinhaltet einen Kernaspekt, der nicht direkt genannt wird aber entscheidend ist. Er lässt sich am besten wie folgt beschreiben:

Wenn du 10% deines Einkommens sparen kannst, musst du neun Jahre arbeiten, um ein Jahr zuhause bleiben zu können.

Wenn du hingegen 90% deines Einkommens sparen kannst, musst du ein Jahr arbeiten und kannst dann neun Jahre zuhause bleiben!

Finanzielle Freiheit, bzw. der Zeitpunkt, wann diese erreicht ist, ist immer abhängig von den Einnahmen und Ausgaben. Freilich klingt das trivial, aber die Sparquote hat einen derart massiven Einfluss auf die Zeit, die notwendig ist, bis die finanzielle Freiheit erreicht ist, dass man es gar nicht oft genug betonen kann.

Das bedeutet aber auch: theoretisch ist das Einkommen irrelevant für die Betrachtung. Ob jemand 1.500 EUR oder 3.000 EUR verdient ist dann unerheblich, wenn beide nur 10% ihres Einkommens sparen. Sie brauchen beide genauso lang, bis sie finanziell unabhängig sind. Aber: Derjenige, der 3.000 EUR verdient und so lebt, wie derjenige, der 1.500 EUR verdient, ist bedeutsam schneller finanziell unabhängig.

Finanzielle Freiheit
Ein Leben lang abhängig von Arbeit sein? Es geht auch anders.

Arbeitsjahre vs. Sparquote

Sehen wir uns das direkt anhand eines Beispiels an. Wir wollen wissen wie lange wir bei einer gegebenen Sparquote arbeiten müssten, bis wir einzig durch die Erträge auf unser gespartes und angelegtes Vermögen in der Lage sind, ohne weitere Erwerbstätigkeit zu leben. Die Erträge müssen also mindestens genau so hoch sein, wie unsere monatlichen Ausgaben. Als Rendite nehmen wir zunächst 3% an, was einer überaus konservativen Geldanlage entspricht. Weitere Rendite-Szenarien mit 3,5% und 4% sind ebenfalls denkbar.

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(Nach rechts oder links klicken für weitere Szenarien)

 

Wie wird das Diagramm interpretiert?

Angenommen man spart 10% seines Einkommens und kann es permanent zu genau 3% Rendite anlegen, dann dauert es stolze 78 Jahre, bis man finanziell unabhängig wäre. Eine utopische Zahl, ganz klar. Kann man allerdings 50% sparen, sind es nur noch 24 Jahre bis zur finanziellen Freiheit. Wohlgemerkt: bei einer sehr konservativen Rendite von 3%. Würde man 4% ansetzen, wären es bei 50% Sparquote nur noch 18 Jahre!

Aus diesem Grund ist die Sparquote so immens wichtig.

Eine hohe Sparquote wirkt sich gleich doppelt so gut auf unser Ziel aus. Oder anders: Mehr Sparen ist besser als mehr Einkommen!

Eine hohe Sparquote bewirkt einerseits, dass wir mehr Geld investieren können und dadurch mehr Rendite erwirtschaften. Gleichzeitig bedeutet eine hohe Sparquote auch, dass wir unsere Ausgaben im Griff haben und weniger Geld zum Leben brauchen. Dadurch erreicht man das Ziel früher, da weniger passives Einkommen notwendig ist, bis man seine Ausgaben damit gedeckt hat.

Übrigens: die durchschnittliche Sparquote in Deutschland beträgt nicht einmal 10%.

Finanzielle Freiheit
Arbeit muss nicht der Mittelpunkt des Lebens sein.

Kritische Betrachtung

Die Rendite: Es wird unterstellt, dass eine konstante Rendite von netto 3% erzielt wird. Nach heutigem Stand muss man dazu eine Bruttorendite von 4,07% erzielen, da Vater Staat der Ansicht ist, dass eine private Altersvorsorge auf eigene Faust mit einer Kapitalertragssteuer von insgesamt 26,375% bestraft wird. Dennoch ist eine konstante Rendite von 3% pure Theorie. In der Regel steigen die Dividenden im Lauf der Zeit, was bedeutet, dass unser eingesetztes Kapital immer höher verzinst wird.

Bei Anlagen am Kapitalmarkt sind derartige Renditen im langfristigen Bereich jedoch durchaus erzielbar, da spreche ich aus Erfahrung.

Ferner wird unterstellt, dass sich der Wert der Kapitalanlage nicht erhöht hat. Das ist völlig unrealistisch, gerade in Hinblick auf die langen Anlagehorizonte. Jede positive Wertentwicklung bedeutet schließlich, dass wir zusätzliches Kapital für den Konsum entnehmen können.

Fehlende Inflation: Die Berechnung unterstellt, dass das Preisniveau konstant bleibt. Es ist aber unrealistisch, dass Ausgaben nominal konstant bleiben. 1000 EUR heute, sind in 30 Jahren bei einer Inflation von 2% nur noch 552 EUR wert. ABER: Das Einkommen steigt im Idealfall ebenso stark an, dadurch bleibt die Sparquote auch in Zukunft konstant. Ob wir 1500 EUR verdienen und 450 EUR (30%) sparen, oder 2000 EUR verdienen und 600 EUR sparen, macht keinen Unterschied. Zudem sind Investitionen am Kapitalmarkt, insbesondere in Aktien, eine sehr elegante Art, mit der Inflation umzugehen. Die Inflation entsteht aufgrund höherer Preise, die schließlich die Unternehmen für ihre Waren verlangen. Da das Unternehmen dadurch aber auch mehr Geld einnimmt, partizipieren wir als Anteilseigner ebenfalls daran. Mit anderen Worten: durch die Investition in Aktien hat man einen eingebauten Inflationsschutz.

Ewigkeitsannahme: Manchen mag eine ganz große Besonderheit bereits aufgefallen sein: Was passiert eigentlich mit dem gesparten Geld? Die Berechnung unterstellt lediglich, dass wir von den Zinsen, also den Erträgen, leben. Wir unterstellen in der Berechnung, dass wir unser angespartes Vermögen nicht aufbrauchen, wir würden es dann in Gänze vererben. Es liegt auf der Hand, dass man noch früher finanziell unabhängig wäre, wenn man Geld aus dem Kapitalstock entnähme. Jede Entnahme führt natürlich auch zu geringeren zukünftigen Zinsen wodurch kontinuierlich immer mehr Geld entnommen werden müsste.

Und: Die Rente. Die Berechnung berücksichtigt nicht die gesetzliche Rente, die wir irgendwann einmal erhalten. Zwar würde die Rente geringer ausfallen, wenn man nicht die vollen Beitragsjahre einzahlt, aber es käme dennoch etwas zusätzliches Geld in die Kasse.

Finanzielle Freiheit
Finanzielle Freiheit genießen und mehr vom Leben haben.

Fazit

Finanzielle Freiheit ist kein Mysterium. Sie ist vielmehr eine Mischung aus einem bewussteren Umgang mit Geld (Sparquotenoptimierung) und einer guten Investition des gesparten Geldes. Der Rest ist nur eine Frage der Zeit, bis das Geld sprichwörtlich für uns arbeitet. Wer für sich sagen kann, dass er in seinem Job glücklich ist und sich nichts Schöneres vorstellen kann, braucht keine finanzielle Freiheit anzustreben. Wer hingegen das Leben anders gestalten möchte, es aber nicht kann, weil er in Abhängigkeit vom Job lebt, sollte sich mit dem Konzept auseinandersetzen.

„Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten“ – John D. Rockefeller

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