Diversifikation als Mittel zur Risikominderung

Psychologisch betrachtet ist für uns ein Verlust von 100 EUR schmerzhafter als ein entgangener Gewinn von 100 EUR. Aus diesem Grund vermeiden wir naturgemäß Risiken und bevorzugen die (vermeintliche) Sicherheit. Versicherungen und Banken sowie findige Finanzberater nutzen diese Schwäche gnadenlos aus und verkaufen uns entsprechende Produkte, die uns einen Zins garantieren oder uns für den noch so abwegigsten Fall absichern sollen.

Ein Beispiel: Wer 30.000 EUR bei einer Bank für 5 Jahre anlegt erhält aktuell (07/2017) ca. 0,5% – 1,8% Zinsen pro Jahr, rund 150 – 540 EUR im Jahr. Wer stattdessen 30.000 EUR am Kapitalmarkt anlegt, erhält im langfristigen Schnitt eine Rendite von gut 6% im Jahr (Quelle: Handelsblatt), in diesem Fall 1.800 EUR im Jahr. Bei der Anlage am Kapitalmarkt besteht ein höheres Risiko aufgrund von Schwankungen. Allerdings zeigt die Geschichte, dass bei einer langfristigen Anlage der Kapitalmarkt fast immer hohe Renditen zu erwarten sind.

Diversifikation – Der Schlüssel zur Sicherheit

Sicherheit vor Rendite ist für die Mehrzahl der Anleger von großer Bedeutung. Diese Sicherheit können wir mit einfachen Mitteln auch selber erzielen – ohne den Umweg über teure und renditearme Produkte von der Bank oder Versicherung. Wir machen es ihnen sozusagen nach und investieren auf eigene Faust, breit gestreut in eine Vielzahl von Wertpapieren, Anleihen, Rohstoffen etc. Daraus ergibt sich eine wichtige Grundregel für das Investieren an der Börse: Diversifikation bzw. Risikostreuung.

Durch Diversifizierung kann das Verlustrisiko signifikant reduziert werden

Die überwiegende Mehrheit der Anleger verfügt über kein Expertenwissen über eine Branche, in die man investieren kann. Aber genau das ist auch nicht zwingend notwendig, um erfolgreich investieren zu können. Nicht umsonst liegen sog. Analysten und Experten regelmäßig mit ihren Prognosen weit daneben – sie selbst können eben auch nicht in die Zukunft blicken.

Fest steht: es gibt keine Gewissheiten an der Börse. Aus diesem Grund, setzt man durch Diversifikation auf ein Mittel, um das Risiko breit zu verstreuen. Wenn wir alles auf ein Pferd setzen, können wir im besten Fall sehr viel Gewinnen aber auch alles verlieren. Dieses “Investment” gleicht eher einer Wette.

Die Statistik und Geschichte zeigt jedoch, dass wir mit einer Verteilung auf verschiedene “Pferde” in Summe besser wegkommen. Mit anderen Worten: wir wissen, dass einige unserer Investments nicht gut laufen werden, aber es stört uns nicht so sehr, weil wir genau diese Entwicklung einkalkuliert haben und unser Geld in vielen verschiedenen Bereichen angelegt haben.

Die Streuung kann (und soll!) auf mehreren Ebenen stattfinden.

Regionale Diversifikation

Eine Möglichkeit ist die regionale Ausdehnung des Portfolios zu erhöhen. Ich persönlich habe neben einigen deutschen Aktien einen großen Anteil meines Investments in verschieden US-Aktien. Englische, schweizerische und japanische Titel sind oder können beispielsweise auch mit dabei sein. Dahinter liegt immer der Gedanke, dass eine geographische Region sich mal besser, mal schlechter wirtschaftlich entwickelt. Wer nur in deutsche Titel investiert, hat somit ein hohes Risiko, falls die deutsche Wirtschaft für einige Zeit nicht gut läuft.

Eine regionale Diversifikation hat man bei großen Konzernen bereits mit dabei, denn diese üben ihre Geschäfte für gewöhnlich weltweit aus und sind daher weniger abhängig vom Heimatmarkt.

Regionale Diversifikation bringt mehr Stabilität ins Depot bei lokalen Krisen

Währungsdiversifikation

Die regionale Streuung geht oft einher mit einer fremden Währung. Ich persönlich sehe es folgendermaßen: In den letzten 100 Jahren gab es in Deutschland inkl. der ehemaligen DDR und einigen Übergangswährungen sieben verschiedene Währungen. Den USD Dollar gibt es seit über 200 Jahren, den Schweizer Franken seit über 150 Jahren, das britische Pfund wohl seit über 1000 Jahren.

Ich mag Kontinuität und das daraus resultierende Vertrauen in eine Währung. Aus diesem Grund betrachte ich es als Vorteil, in derartigen Währungen und/oder Aktien aus diesem Währungsraum investiert zu sein. Durch die Währung kommt eine zusätzliche Komponente ins Spiel, die den Preis der Aktie beeinflusst. Das kennen wir vom Urlaub in nicht-Euro-Länder: je nachdem, wie das Wechselkursverhältnis ist, kostet uns der Urlaub dann mehr oder weniger. Bei einer Aktie verhält es sich ganz genauso.

Übrigens sind große Firmen häufig an verschiedenen Börsen in der jeweiligen Landeswährung gelistet. So kann man in Deutschland auch amerikanische Firmen wie Johnson & Johnson oder 3M in EUR kaufen, obwohl es sich um eine US-Aktie handelt. Der Börsenpreis in EUR entspricht dabei immer dem USD-Preis in Relation zum aktuellen EUR/USD-Wechselkurs. Andere ausländische Aktien kann man oft ebenfalls in Deutschland kaufen, allerdings erfolgt hierbei eine „virtuelle“ Umrechnung in EUR – spezielle Broker ermöglichen es auch, direkt in Fremdwährungen zu kaufen.

Manche Währungen gibt es seit mehreren hundert Jahren – andere verschwinden nach einigen Jahrzehnten.

Diversifikation in Branchen

Branchen unterliegen wirtschaftlichen Zyklen. Wer vor einiger Zeit Ölförderer gekauft hat, weiß, wovon ich rede. Auf anderer Seite haben allerdings sich Technologiewerte im gleichen Zeitraum sehr gut entwickelt. Das Prinzip ist recht simpel: Es gibt fast immer Gewinner und Verlierer. Unschöner Weise kann der Gewinner von gestern bereits morgen der Verlierer sein. Nokia zeigte Eindrucksvoll, wie schnell man in der Statistik von “Marktführer” zu “Sonstige” landen kann.

Eine politische Richtungsänderung kann ebenfalls ganze Branchen beeinflussen. Mit der Wahl Donald Trumps wurden zeitgleich Abstimmungen über “Soda Taxes” durchgeführt – eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke – profitieren dürften diejenigen, die auch andere Produkte im Angebot haben. Zeitgleich wurde eben durch jene Wahl der Rüstungssektor stark angetrieben, da Trump eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben anstrebt.

Durch die Wasserstoffexplosion in Fukushima, ausgelöst durch einen extremen Tsunami, sowie der radioaktiven Strahlung ist zwar keine Menschenseele gestorben. In Deutschland hat es dennoch dazu geführt, den gesamten Energiesektor auf den Kopf zu stellen, mit Auswirkungen auf die gesamte Energiebranche.

Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Eine Risikostreuung auf eine Vielzahl von Branchen kann im Idealfall dazu führen, dass Verluste auf der einen Seite direkt durch Gewinne auf der anderen Seite ausgeglichen werden.

Zeitliche Diversifikation

Die goldene Grundregel des Investierens wurde bereits in einem anderen Artikel erklärt:

  • Investiere dein Geld über einen langen Zeitraum hinweg in eine Vielzahl an soliden
  • Und ein Merksatz: Investiere nie dein Vermögen innerhalb eines kurzen Zeitraumes.

Damit wäre dem Punkt „Zeitliche Diversifikation“ eigentlich schon genüge getan, aber eines möchte ich noch anmerken:

Ich höre oft Sätze wie: “Jetzt zu kaufen ist doch nicht gut, weil aktuell die Kurse so hoch sind.”

Wissen wir das? Ich weiß nicht, ob der Kurs derzeit wirklich hoch ist, oder ob er in einem Jahr vielleicht noch viel höher sein wird. Wüsste ich es besser, könnte ich genauso gut auch auf fallende Kurse setzen!

Natürlich gibt es Indikatoren, Kennzahlen, die ein Indiz für relativ hohe Kurse sein können, aber das Gesamtbild ist ebenso wichtig.

Ich stelle daher folgende Frage: “Würdest du denn dann kaufen, wenn der Kurs um 20% eingebrochen ist?”. Dazu muss man schon mutig sein, genau dann zu kaufen, wenn die Mehrheit die Aktie loswerden will! Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Weiß man dann sicher, dass es nicht noch weiter bergab gehen wird? Wird sich die Aktie je erholen?

Timing ist das größte Problem beim Investieren. Aber eben weil es unmöglich ist, den perfekten Zeitpunkt für Kauf und Verkauf zu bestimmen, ist es umso wichtiger, sein Investment auf einen langen Zeithorizont zu strecken und zu halten.

Ich kaufe oft in mehreren Tranchen. Zuerst eine “Startposition” und zu einem späteren Zeitpunkt peu á peu erneut. Das erhöht zwar etwas die Transaktionskosten, gibt mir allerdings eine gewisse Sicherheit nicht den womöglich schlechtesten Zeitpunkt erwischt zu haben. Auch hier betrachte ich eine Einmalinvestition als eine Wette: Investiere ich heute alles, setze ich darauf, dass es ab sofort nur noch besser werden kann. Investiere ich aber über einen längeren Zeitraum, nehme ich sämtliche Kursschwankungen mit. Diesen Effekt nennt man “Cost Average“.

Das ist ein bisschen wie an der Tankstelle: Mal bezahlt man für einen Liter 1,20, ein anderes Mal 1,28 und dann wieder 1,25. Wir wissen heute nicht, wie viel der Liter morgen kosten wird. Wir versuchen grundsätzlich einen relativ günstigen Preis zu erhalten, müssen aber hin und wieder die Spitzen ganz oben mitnehmen.

Diversifikation in Anlageklassen

Zu guter Letzt gibt es verschiedenste Anlageklassen, in die wir investieren können. Neben meinen Aktien halte ich auch ein paar Anleihen die einen festen Zins (Kupon) zahlen und weniger volatil sind. Unternehmensanleihen werfen häufig mehr Rendite ab, als Staatsanleihen. Investments in Gold oder andere Rohstoffe würden ebenfalls in diese Diversifikationskategorie fallen.

Gerade in Krisenzeiten hat Gold einen hohen psychologischen Nutzwert – ich persönlich halte nicht viel von Rohstoffen, da das ein Markt ist, der subjektiv sehr irrational verläuft und vor allem keine laufende Verzinsung in Form von Dividenden bietet. Ich mag es, wenn ich monatlich Dividenden und Zinsen erhalte. Rohstoffe “liegen nur herum”.

Dann wären da noch Immobilien. Wer nicht direkt in Immobilien investieren kann oder will, kann es indirekt durch den Erwerb von sog. „REITS“ machen. Das sind Aktiengesellschaften, die Kapital sammeln und Immobilien erwerben und vermieten. Per Definition ist ein REIT dazu verpflichtet einen sehr hohen Anteil des Gewinnes (üblicherweise 90%) direkt an die Aktionäre auszuschütten. Die Dividenden sind in diesem Fall sozusagen unsere Mieteinnahmen aus den Immobilien.

Fazit

Die verschiedenen Formen der Diversifikation helfen dabei, das Risiko in einem Portfolio zu senken. Ein paar schlecht laufende Investments hat man meistens im Depot, aber dafür auch viele, die sehr gut laufen. Natürlich kann eine Finanz- oder Wirtschaftskrise auch mal das gesamte Depot nach unten reißen, aber mutige Investoren nutzen das als Gelegenheit, sich günstig mit qualitativ hochwertigen Aktien einzudecken, wohlwissend, dass es auch wieder bergauf gehen wird. Investiert man so über einen langen Zeitraum, hat man die Chance auf bedeutsam höhere Renditen als bei klassischen Bank- oder Versicherungsprodukten.

 

Beitragsbild © sveta / Fotolia.

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