Dividenden-Aristokraten – Zuverlässige Dividendenzahler

Wer Aktien nicht nur als Spekulationsobjekt, sondern als langfristige Investition betrachtet, der stößt auf kurz oder lang zwangsläufig auf sog. „Dividendenaristokraten“. In diesem Artikel erkläre ich, worum es sich bei den „Aristokraten“ handelt und weshalb ich es sinnvoll finde, diese als wesentlichen Bestandteil eines risikoarmen Depots in Betracht zu ziehen.

Für mich ist die eine zuverlässige Dividendenpolitik ein sehr wichtiges Kaufkriterium. Schließlich will ich eine angemessene Verzinsung für mein eingesetztes Kapital sehen, sie soll in Form von Dividenden mir möglichst häufig zeigen, dass mein Geld gut angelegt ist. Gleichzeitig möchte ich mir auch nicht jeden Tag Gedanken um mein Depot machen, und bevorzuge risikoärmere Aktien. Hier kommen die Dividendenaristokraten ins Spiel.

Was ist ein Dividendenaristokrat?

Der Begriff stammt wie so oft in der Finanzwelt und beschreibt Unternehmen, die mindestens 25 Jahre in Folge eine jährlich wachsende Dividende gezahlt haben. Wieso es ausgerechnet 25 Jahre sind, weiß ich nicht. Aber innerhalb dieses Zeitraumes hat ein Unternehmen meist vieles mitgemacht und miterlebt: wirtschaftlichen Aufschwung, schwere Katastrophen, Krisenzeiten.

Ein Unternehmen, das sowohl unter guten als auch widrigen Umständen in der Lage ist sein Geschäftsmodell und/oder seine Kostenbasis schnell genug anzupassen, um weiterhin eine jährlich-steigende Dividende zu zahlen, hat bewiesen, dass es zuverlässig und gut geführt wird.

Diese Zuverlässigkeit sorgt üblicherweise auch für einen Aufpreis im Aktienkurs, bzw. einen Abschlag auf die Dividendenrendite im Vergleich zu den Konkurrenzunternehmen, die nicht den Status eines Aristokraten haben. Anleger sind bereit für die höhere Sicherheit eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen, sind Aristokraten daher noch beliebter geworden.

Wenngleich es bereits beachtlich ist, dass 25 Jahre lang steigende Dividenden gezahlt werden, gibt es Unternehmen, die über einen deutlich längeren Zeitraum steigende Dividenden gezahlt haben, aktuell bis zu 61 Jahre.

Es gibt darüber hinaus Unternehmen, die seit über 100 Jahren jährlich Dividenden ausgeschüttet haben, allerdings zwischendurch einmal die Dividenden entweder in einem Jahr nicht gesteigert oder gar reduziert haben. Sobald einer von beiden Fällen eintrifft, verliert das Unternehmen den Aristokratenstatus und fängt wieder „bei 0“ an.

Vergangenheit vs. Zukunft

Wie immer bei Aktien: was in der Vergangenheit war, spielt für die Zukunft keine Rolle. Nur weil ein Unternehmen in den letzten 25 Jahre gut gewirtschaftet hat, heißt das noch lange nicht, dass es auch in den nächsten 25 und mehr Jahren gut wirtschaften wird. Wichtig bei der Auswahl sind demnach auch die aktuellen und zukünftigen Rahmenbedingungen und Erwartungen.

Nehmen wir als Beispiel einen Tabakhersteller. Unterstellen wir einmal, dass der Tabakkonsum seit vielen Jahrzehnten kontinuierlich leicht rückgängig ist, weil immer weniger Menschen mit dem Rauchen anfangen und immer mehr mit dem rauchen aufhören. Der Tabakhersteller hatte in der Vergangenheit immer wieder steigenden Dividenden gezahlt, musste dafür aber einen immer höheren Anteil seines Gewinnes dafür aufbringen. Als weiteres Beispiel könnte man sich einen Ölförderer vorstellen, dessen Geschäftsmodell wegbricht, wenn kein Öl mehr vorhanden ist.

Die Beispiele sind konstruiert, zeigen aber, dass es Geschäftsmodelle gibt, die unter Umständen in der Zukunft nicht mehr so gute Erträge abwerfen wie in der Vergangenheit.

Heißt das nun, dass man vor solchen Unternehmen generell die Finger lassen sollte? Natürlich nicht.

Die Unternehmen passen sich kontinuierlich an, verkaufen Geschäftssparten, die unrentabel sind, investieren in neue Geschäftsbereiche, die zukunftsträchtig sind. Ein großer Konzern, ist so gesehen nichts anderes, als eine große Zahl kleinerer Unternehmen. Der Tabakhersteller könnte beispielsweise durch Zukäufe oder Beteiligungen einen Geschäftszweig im Bereich Getränke (Brauereien, Spirituosen) oder natürlich auch Pharmazie aufbauen – was zugegeben bei einem Tabakhersteller schon paradox wäre. Dennoch: er diversifiziert sein Produktportfolio und erschließt damit neue Umsatzquellen.

Der Ölförderer könnte hingegen in die Entwicklung und Herstellung von Batterien investieren, die womöglich in Zukunft in großen Mengen für Elektroauto gebraucht werden. Wer noch Mannesmann Mobilfunk (D2) kennt: die haben vorher unter anderem Stahl produziert, Gaspipelines und Maschinen gebaut, bevor sie in das Mobilfunkgeschäft eingestiegen sind.

Für mich bedeutet ein Aristokrat daher folgendes: Das Unternehmen hat bewiesen, dass es wandelbar und flexibel ist. Es kann auf veränderte Marktbedingungen adäquat reagieren und handelt im Sinne der Eigentümer.

Wieso keine Dividende auch gut sein kann

Eine Dividende ist nichts anderes als eine Gewinnausschüttung. Das bedeutet aber nicht den Umkehrschluss, dass keine Dividende heißt, dass das Unternehmen keinen Gewinn erzielt hat.

Ein Beispiel: Wir sind Privatanleger und erhalten 100 EUR Dividende. Das Unternehmen hat nun 100 EUR weniger Kapital zur Verfügung. Wir sind mit etwas Geschick in der Lage, das Geld am Kapitalmarkt mit einer Rendite von 3-4 % anzulegen. Das Unternehmen jedoch sieht gute Investitionsmöglichkeiten (z.B. in neue Geschäftsfelder), die eine Rendite von 6-8 % erwarten lassen. Für die Investition benötigt das Unternehmen allerdings Geld. Geld, dass es nicht hat, wenn es vorher einen ganzen Teil des Gewinnes an die Anteilseigner ausgeschüttet hat.

Aus unserer Sicht macht es durchaus Sinn, dann auf eine Dividende zu verzichten, wenn das Unternehmen das Geld besser anlegen kann. Dafür wird der Investor mit einem steigenden Unternehmenswert und damit mit einem höheren Aktienkurs belohnt. Warren Buffet, eine “Legende” im Finanzmarkt, hat mit seinem Unternehmen Berkshire Hathaway seit etlichen Jahrzenten bewiesen, dass er bessere Renditen als der Durchschnitt erzielen kann. Er hat seit über 60 Jahren noch nie eine Dividende ausgeschüttet, die Aktionäre werden stattdessen mit durchschnittlichen Jahresrenditen von über 20% belohnt. Warren Buffet hat noch nie eine Dividende ausgeschüttet und der Erfolg gibt ihm recht.

Typischerweise investieren Technologiekonzerne und stark expandierende Unternehmen sehr viel Geld und zahlen eine geringe, bis gar keine Dividende. Google, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, hat bis heute keinen müden Penny ausgeschüttet, ebenso wie Amazon und viele andere.

Aktienrückkauf als Alternative

Eine weitere Form der Gewinnverwendung ist der Aktienrückkauf. Das Unternehmen kauft am Kapitalmarkt seine eigenen Aktien, anstelle oder zusätzlich zur Dividende. Aber wozu soll das gut sein?

Der Aktienrückkauf kann als Instrument zur Kursstabilisierung dienen, da der Anteil der am Markt verfügbaren Aktien sinkt, steigt die Nachfrage, nach den verbleibenden Aktien und somit der Kurs. Zurückgekaufte Aktien werden entweder “vernichtet” oder erhalten keine Dividende. Das führt dazu, dass der Gewinn pro Aktie steigt, was für zukünftige Dividendenausschüttungen von Vorteil ist und dadurch ebenfalls die Nachfrage nach der Aktie erhöht. Andererseits kann der Aktienrückkauf auch als Akt fehlender Investitionsmöglichkeiten betrachtet werden. Das Unternehmen weiß sozusagen nicht, was es sonst mit dem Gewinn machen sollte. Es findet also auch keine passenden Investitionsmöglichkeiten, die für das zukünftige Geschäft wichtig sind.

Fazit

Aristokraten versprechen aufgrund ihrer historischen Entwicklung eine höhere Sicherheit, als Nicht-Aristokraten. In aller Regel sind die Aristokraten gleichzeitig überaus große Konzerne, die sich durch exzellentes Management auszeichnen. Das wird am Kapitalmarkt entsprechend wertgeschätzt: die Aktie ist teurer, verglichen mit anderen Nicht-Aristokraten aus derselben Branche. Der Status kann allerdings auch zu einer gefährlichen Unternehmenspolitik führen: wenn der Gewinn zu niedrig ist und eine steigende Dividende damit nicht ermöglicht, muss das Unternehmen anderweitig an das Geld kommen: Rücklagen werden abgebaut, Anteile oder Betriebsvermögen verkauft, Schulden aufgenommen.

Unternehmen tun viel, um den Status als Aristokrat nicht zu verlieren, das kann mitunter gefährlich werden, wenn das Unternehmen dadurch unnötig stark belastet wird. Auf Dauer kann es dann umso schmerzhafter werden.

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