Der Wert einer Stunde Arbeit – Konsumrelevanter Nettolohn

Wenn wir einkaufen gehen denken wir nicht darüber nach, wie lange wir für das gewünschte Produkt gearbeitet haben. Wieso eigentlich nicht? Ein Grund wird wohl sein, dass man es lieber gar nicht so genau wissen will. Die Industrie lebt davon, dass wir Kaufentscheidungen emotional fällen. Werbung in all ihren Facetten dient einzig dem Zweck, unsere Emotionen anzusprechen. Darüber hinaus tappen wir immer wieder in psychologische „Fallen“, die uns zum Verhängnis werden und uns mehr Geld ausgeben lassen, als wir wollten, und manchmal auch als gut für uns sind.

Wertäquivalente

Eine elegante Art und Weise, den Wert eines Produktes besser einschätzen zu können ist, den Preis in ein Äquivalent umzurechnen, dem man eine hohe Bedeutung zumisst.

Beispiel: Jemand geht gerne Ins Kino, das Ticket kostet 10 EUR. Jede Kaufentscheidung kann nun in „Kino-Äquivalente“ umgerechnet werden. Ein Kaffee bei Starbucks für 5 EUR? Klar, kostet aber einen halben Kinoeintritt! Im Supermarkt beim Vorbeigehen noch ein paar Packungen Schokolade und Chips eingepackt (10 EUR) – und schon ist ein ganzer „Kinoeintritt“ weniger drin.

Natürlich funktioniert das auch umgekehrt: ein Kinoeintritt kostet acht Tüten Chips, drei Bier in der Kneipe, 1,5 Schachteln Zigaretten, etc. Jeder hat da seine Präferenzen.

Ich für meinen Teil mag es, den Wert meiner Arbeitskraft umzurechnen. Schließlich gehe ich aus genau einem Grund auf die Arbeit: weil ich Geld verdienen muss. Ich tausche sozusagen wertvolle Lebenszeit in Geld um. Aus diesem Grund ist die aufgebrachte Lebenszeit ein guter Indikator dafür, ob ein Produkt es wert ist, gekauft zu werden – zumindest schärft es das Preisbewusstsein. Die Frage, die ich mir also stelle ist, wie viel Konsum (in Euro) mir eine Stunde Arbeit ermöglicht.

Beispiel: Ein Durchschnittsverdiener arbeitet 160 Stunden pro Monat und erhält dafür netto 1800 EUR. Fixe Kosten für Wohnung und Nahrung betragen 600 EUR. Es können nun zwei Netto-Stundenlöhne errechnet werden: der Stundenlohn vor den Fixkosten für Wohnung und Nahrung (11,25 EUR) und der Stundenlohn, der tatsächlich frei zur Verfügung für nicht-lebensnotwendigen Konsum steht: 7,50 EUR.

Um beide Beispiel zusammenzuführen: der Durchschnittsverdiener muss 1h 20m arbeiten, um sich ein Kinoticket für 10 EUR leisten zu können.

Beispiele – Wie lange muss man für XY arbeiten?

Ich bleibe bei dem Beispiel des Durchschnittsverdieners um aufzuzeigen, wie lange dieser tatsächlich arbeiten muss, um sich alltägliche Dinge leisten zu können.

Autofahrt Ein Kilometer mit dem Auto kostet im besten Fall ca. 30 Cent. 100 Kilometer fallen demnach mit 30 EUR zu Buche oder anders: mit vier Stunden Arbeitszeit.
Croissant und Kaffe beim Bäcker Für die 3,50 EUR muss 28 Minuten gearbeitet werden.
Eisbecher im Café Circa eine ganze Stunde Arbeit.
1 Schachtel Zigaretten 1h Arbeit
1 Paar Schuhe für 80 EUR 10h 40m
iPhone 7 für 759 EUR 101h / 12,6 Arbeitstage
MacBook Pro für 2000 EUR 266h / 33 Arbeitstage
Küche für 5000 EUR 83 Arbeitstage
Gebrauchtwagen für 10000 EUR 166 Arbeitstage
Neuwagen für 25000 EUR 416 Arbeitstage / 1,7 Jahre (240 Werktage/Jahr)
Eigentumswohnung für 150.000 EUR 10,4 Jahre

Fazit

In der Einleitung schrieb ich, dass man manche Dinge lieber gar nicht wissen möchte. Wer ehrlich zu sich selbst ist und seinen persönlichen Netto-Stundenlohn ausrechnet, dabei die fixen Kosten für Wohnung und Nahrung vorher abzieht, wird künftige Kaufentscheidungen vermutlich anders bewerten. Rationalität vor der Emotionalität.

Die Gründe, weshalb das Bewusstsein geschärft werden soll sind vielfältig. Manch einer wird auf etwas Großes sparen wollen, bei mir ist es das Ziel der finanziellen Freiheit.

 

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