Sparen – Wieso es sich doch lohnt

Das Thema “Sparen” ist nicht gerade der Aufreißer eines abendlichen Treffens mit Freunden. Sparen wird gleichgesetzt mit weniger Lebensqualität und Verzicht auf etwas, das einem Spaß macht. Man möchte von seinem Geld auch „was haben“ und nicht nur zugucken, wie es auf dem Konto vor sich hin vegetiert. Wer weiß denn schon, was morgen ist? Man möchte schließlich das Leben jetzt und heute genießen. Zudem gibt es doch sowieso kaum Zinsen, also lohne sich sparen gar nicht, so auch eine häufige Begründung.

Ich werfe daher einfach provokativ in den Raum: Wer so argumentiert, überspielt damit nur seine Unkenntnis in Sachen Finanzen und versucht gleichzeitig, seinen teuren Lebensstil zu rechtfertigen.

Unwissenheit führt zu Fehlanreizen

Man kann niemanden vorwerfen, dass er so lebt, wie oben beschrieben, denn in Sachen Finanzbildung sind wir in Deutschland leider nicht gut bedient. In der Schule wird uns nicht beigebracht, wie wir am Finanzmarkt agieren können. Es gibt keine Vorbilder, an denen wir uns orientieren können und in der Gesellschaft ist insbesondere das Thema Aktien mit starken Assoziationen zu Krisen behaftet. Konsens besteht im Allgemeinen darin, dass Immobilien eine sinnvolle Investition darstellen, allerdings nicht etwa aus renditetechnischer Sicht. Vielmehr spielt hier das Sicherheitsempfinden eine Rolle, bedingt durch die Tatsache, in den eigenen vier Wänden leben zu können.

Es wundert nicht wirklich: Wenn für den Großteil der Bevölkerung das Sparbuch, Tagesgeldkonto und der Bausparvertrag das Höchste der Finanzgefühle darstellt, dann ist es Folgerichtig, dass sich sparen nicht lohnt. Diese „Anlageformen“ erwirtschaften kaum Rendite.

Die Konsequenz ist, dass konsumiert wird und dabei gar kein schlechtes Gewissen eintritt. Schließlich scheint man mit Konsum alles richtig zu machen, wenn sich sparen keine sinnvolle Alternative zu sein scheint.

Konsum vs. Sparen

Wie oben bereits geschildert, wird im Allgemeinen sparen mit verzichten gleichgesetzt. Schließlich ist es nicht möglich, all das zu kaufen oder zu haben, was man gerne möchte, wenn man sparen soll.

Oder vielleicht doch?

Bei genauerem betrachten geht es gar nicht um Verzicht, sondern um die vermeintliche Gefährdung der gefühlten Lebensqualität. Wir empfinden es als Verminderung unserer Lebensqualität, wenn wir uns zurückhalten sollen. Werbung vermittelt uns schließlich genau das: wir fühlen uns wohler, wenn wir XY kaufen. Es macht uns glücklicher, produktiver, erfolgreicher, lebensfroher.

Konsum verhindert sparen
Konsum macht Glücklich – oder nicht?

Aber wer kennt es nicht: man kauft etwas, erfreut sich daran eine Weile und verliert dann doch das Interesse daran. Das trifft nicht immer zu, aber wenn wir ehrlich sind, doch recht häufig.

Kleidung wird gekauft, weil sie spontan gefällt, danach landet sie im Kleiderschrank zu den 27 anderen Oberteilen. Das Auto wird nach Marke und Design ausgesucht, aber dann ist es einem zu Schade, damit in bestimmten Gegenden zu Parken oder in den Urlaub nach Frankreich zu fahren, weil man Angst vor Kratzern und Dellen hat. Als Fahrrad holt man sich ein besonderes Schmuckstück für 800 EUR und traut sich dann nicht, es in der Stadt über Nacht draußen abzustellen.

Die Beispiele sind vielfältig, zeigen aber auf: der Konsum macht uns nur bedingt glücklicher und zufriedener. Er schränkt uns in gewisser Hinsicht sogar ein, bereitet uns mehr Arbeit oder Sorgen.

Ab einem gewissen Grad ist es unerheblich, ob man noch mehr kaufen kann, denn im Grunde genommen hat man schon alles, was man braucht.

 

Bis auf eines: Freizeit.

 

Was sparen mit Freizeit zu tun hat

Nehmen wir doch einmal rein hypothetisch an, dass wir mehr Freizeit haben könnten, wenn wir sparsamer wären. Wie sollte das möglich sein?

Angenommen wir hätten durch unsere Arbeit ein Einkommen von 100 EUR im Monat. Wir geben davon 90 EUR davon aus und sparen 10 EUR. Wir müssten in diesem Fall neun Monate arbeiten, um einen Monat von unserem ersparten leben zu können.

Sparen schafft Freizeit
Freizeit ist das einzige Gut, das uns wirklich fehlt.

Wie verhält es sich, wenn wir nun, sagen wir, 40 EUR sparen könnten? Wir hätten dann nur Ausgaben in Höhe von 60 EUR zu decken. Diesen Betrag hätten wir bereits nach 1,5 Monaten gespart. Wir müssten also nur 1,5 Monate arbeiten, um einen Monat von unserem ersparten leben zu können.

Natürlich können wir in der Regel nicht nach Belieben unsere Arbeit für einen Monat pausieren, aber man muss das große Ganze betrachten: Wer konsequent sparsam lebt und weniger konsumiert, kann ohne weiteres früher aufhören, zu arbeiten und hat dann echte Freizeit.

Mit anderen Worten: Du hast die Wahl, ob du bis 67 deiner Arbeit nachgehen willst, dich währenddessen mit 25 – 30 Tagen Urlaub im Jahr begnügst und dir durch übermäßigen Konsum den Alltag versüßt. Oder du erhöhst deine Sparquote signifikant, sodass du deutlich früher mit der Arbeit aufhören, das Leben und die Freizeit genießen kannst, wenn du noch jung genug dazu bist und nicht erst mit weit über 60.

Im Übrigen unterschlage ich in dem Rechenbeispiel die Möglichkeit, das gesparte Geld beispielsweise  am Kapitalmarkt anzulegen. Dadurch könnte man nochmals früher aufhören können, arbeiten zu gehen.

Was sparen mit Unabhängigkeit zu tun hat

Zum Schluss noch ein Aspekt, der für mich sehr wichtig ist. Wer hohe Ausgaben hat, braucht entsprechende Einnahmen. Das bedeutet immer auch, dass ich mich in einer Abhängigkeit meinem Arbeitgeber begebe. Meine Verhandlungsposition ist geschwächt, wenn ich von dem Einkommen abhängig bin. Wer kennt das nicht: manchmal würde man gerne das oder jenes auf der Arbeit sagen oder tun, traut sich es sich aber nicht, weil man negative Konsequenzen fürchtet. Man muss nun mal tun, was einem gesagt wird, ob man will oder nicht. Wie viel schöner wäre es denn, wenn man stattdessen auf die Arbeit geht, weil man will, aber nicht, weil man muss?

Fazit

Der Grundtenor dieses Artikels ist eindeutig: sparen lohnt sich, und zwar sehr. Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld man verdient, sondern wie hoch die Sparquote ist. Jemand, der 5.000 EUR im Monat verdient, spart nicht automatisch mehr von seinem Geld, da mit steigendem Einkommen für gewöhnlich auch die Ausgaben ansteigen. Wichtiger ist, seine Ausgabensituation genau zu prüfen und Konsum zu hinterfragen. Lebensqualität geht nicht einher mit steten Konsum. Wer einmal in ärmeren Ländern, z.B. in Asien, herumgereist ist, stellt schnell fest, dass die Menschen dort sehr glücklich zu sein scheinen, obwohl (oder vielleicht weil?) sie nicht viel Geld für Konsum zur Verfügung haben.

1 Kommentar

  1. Ich sehe es genauso. Seit dem ich finanzielle Freiheit angestrebt habe, bin ich immer mehr zum Minimalisten geworden. Ich empfehle jedem immer zuerst seine monatlichen Fixkosten zu ermitteln. Häufig ergeben sich hier schon große Chancen einzusparen.

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