Grundsteuer – Die Reform wird teuer

Taschenrechner und Statistik

Wer eine eigene Immobilie hat, hat so einiges an Pflichten zu tragen. Eine wesentliche Pflicht ist, die Grundsteuer an die Kommune zu entrichten. Bisweilen ist die Grundsteuer ein überschaubarer Posten, doch das kann sich schon bald ändern.

Die Grundsteuer wird anhand eines komplexen Verfahrens ermittelt, im Wesentlich aus drei Komponenten: Grundstückswert (inkl. Bebauung), Hebesatz und Grundsteuermesszahl.

Die Kommune hat derzeit nur die Möglichkeit, den Hebesatz anzupassen, um die Einnahmen zu erhöhen. Das wird bereits fleißig getan, denn Immobilienbesitzer können sich der Steuer nicht entziehen und müssen zahlen, was verlangt wird. Mieter zahlen die Grundsteuer übrigens über die Nebenkosten ebenfalls mit.

Wie schnell die Steuer eben erhöht werden kann, haben die Einwohner in Siegburg erst erfahren müssen. Hier wurde der Hebesatz um 72% erhöht. Die Klage der Betroffenen war wirkungslos, die Erhöhung war rechtmäßig.

Grundsteuer bald mehr als 4x teurer?

Neben dem Risiko des Hebesatzes ergibt sich womöglich ein noch gravierenderer Kostenfaktor: der Grundstückswert, auch Einheitswert. Momentan werden die Werte auf Basis des Jahres 1964 (!) bzw. 1935 (in den neuen Bundesländern) berechnet. Die Bundesregierung erachtet das als nicht mehr zeitgemäß und hat im September 2016 eine Reform angestoßen (FAZ berichtete). Zwar wird von Seiten der Politik verlautbart, dass es zu keiner Mehrbelastung kommen solle, aber die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen ist Erfahrungsgemäß nicht sehr groß.

Wenn der Einheitswert plötzlich nach aktuellen Marktwerten berechnet würde, kann sich die Grundsteuer schon bald als massiver Kostenblock herausstellen. Rechnet man beispielsweise nur die durchschnittliche Inflation (Teuerungsrate) seit den 60er Jahren in den Einheitswert, dann hat sich dieser bis heute mehr als vervierfacht. Durch die Multiplikation mit dem Produkt aus Hebesatz und der Messzahl ergibt sich eine Belastung von mehr als dem Vierfachen.

Fazit

Die Stellschrauben für Kommunen, die Einnahmen zu erhöhen, sind sehr begrenzt. In Zeiten finanzieller Nöte ist davon auszugehen, dass die Kommunen die Hebesätze erhöhen werden. Es ist davon auszugehen, dass durch die Reform der Einheitswert neu berechnet wird, was zu einer höheren Belastung sowohl für Eigentümer, als auch Mieter führen wird. Immerhin: die Reform wird mit erst nach der Bundestagswahl 2017 diskutiert werden, soviel ist sicher.

 

Beitragsfoto: © Gina Sanders / Fotolia.

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